Jetzt haben wir unser Häuschen in Italien schon über 10
Jahre. Trotzdem ist vieles bis heute provisorisch angelegt, so, als würden
gleich wieder unsere Zelte abbrechen. Besonders die Verwaltung befindet sich
nachwievor im Rohbau. Während der Bauphase hatten wir ein italienisches Bankkonto,
dessen Guthaben dahinschmolz, auch wenn wir gar kein Geld ausgaben. Der
Kontoauszug blieb ein Buch mit sieben Siegeln, erkleckliche Beträge an
undurchsichtigen Steuern und Gebühren wurden stillschweigend abgezweigt. Als
schließlich die letzten größeren Posten für den Hausbau bezahlt waren, wurde
das Konto schleunigst aufgelöst. Das kostete 80 Mark und ärgert mich bis heute.
Seither improvisieren wir: Die Stromrechnung wird von der
Kreditkarte abgebucht, Wasser bezahlen wir am AMAT-Schalter in Imperia, die
Gebühren für die Müllentsorgung und die Grundsteuer begleichen wir auf der
Post. Weil wir nicht immer da sind, wenn die Rechnungen kommen, wurden uns
schon Strom und Wasser gesperrt.
Ohne italienisches Bankkonto oder einen Verauftragten vor Ort war es bis dato aber kaum
möglich, die regelmäßig anfallenden Rechnungen anders zu begleichen. Aber jetzt
besteht die Hoffnung, dass die Finanzen endlich „in regula" kommen.
Seit dem 2. November 2009 gibt es das innereuropäisches
SEPA-Lastschriftverfahren, „sicher, schnell und kostentransparent", so
heißt es. SEPA steht für „Single Euro Payments Area", den einheitlichen
Euro-Zahlungsverkehrsraum, der schon seit 2008 Überweisungen in Europa
reguliert.
Das
SEPA-Lastschriftverfahren ermöglicht erstmals europaweit den Einzug von
fälligen Rechnungsbeträgen. Statt Kontonummer und Bankleitzahl kommen IBAN und
BIC zum Einsatz. Beim SEPA-Lastschriftverfahren wird ein exaktes
Fälligkeitsdatum zur Einlösung der Lastschrift festgelegt. Voraussetzung ist,
dass auch die Empfängerbank SEPA-fähig ist, was aber heute schon bei 90% aller
Geldinstitute in Italien der Fall ist.
Das
SEPA-Lastschriftverfahren wird ausschließlich beleglos (online) angeboten und
die Teilnahme ist nur möglich mit einem sogenannten Creditor
Identifier. Diese Nummer dient der eindeutigen Identifizierung des
Lastschrifteneinreichers und muss einmalig elektronisch bei der Deutschen
Bundesbank beantragt werden. Die Ausgabe der Nummer erfolgt per Email.
Man
muss halt nur lang genug warten, dann kommt für jedes Problem eine Lösung daher.