Veraltet, unpünktlich, dreckig ... die italienische Bahn hat
wahrlich keinen guten Ruf. Mit Inkrafttreten des Winterfahrplans trifft Reisende
an die italienische Riviera neues Ungemach. Die beiden täglichen
EuroStar-Verbindungen Nizza-Genua-Milano wurden am 12.12.2009 zu InterCity-Verbindungen
degradiert. Jetzt heißt es Umsteigen in Ventimiglia.
Brauchte man vorher etwa fünf Stunden bis in die Hauptstadt der Lombardei, so
sind es jetzt sechs.
Was das für den Tourismus in Ligurien bedeutet?
Wahrscheinlich nichts Gutes.
Der Flughafen von Nizza ist die internationale Drehscheibe
für die Blumen- und Palmenriviera. Abertausende reisen von der Côte d'Azur mit
der Bahn weiter zu ihren Urlaubsquartieren zwischen Ventimiglia und Genua. Die
Wahrscheinlichkeit, dass sie - abends abgekommen - im Nirgendwo stranden, ist groß.
Der letzte Zug Richtung Genua verlässt Ventimiglia um 19.15 Uhr. Der Nächste
fährt erst um 4.37 Uhr (werktags), bzw. 5.07 Uhr (Sonn- und Feiertags).
Auf dem Tourismus-Forum in Sanremo am 11./12.12. wurden
Forderungen laut, zumindest einen Zug von und zum Flughafen Nizza nach 20.00
Uhr einzusetzen. Das Argument von Trenitalia aber ist immer gleich: Die Strecke sei
unrentabel. Schwer vorstellbar.
Nach 17.00 Uhr landen in Nizza täglich über 50 - meist
internationale - Flüge. Die Franzosen tun ihr Teil, um die angekommenen Passagiere weiter zu befördern: Alle 20 Minuten fährt ein Shuttle-Bus nach Nice Ville, alle 50
Minuten verlässt ein Zug den Bahnhof der Stadt Richtung italienische Grenze.
Schon in der
Vergangenheit hat die italienische Bahngesellschaft was die Anbindung Liguriens
an den Rest des Landes und der Welt betrifft, nicht mit sich reden lassen. So
wurde vor einem Jahr der Nachtzug auf der Strecke ersatzlos gestrichen, trotz
großer Proteste.
Jetzt, wo mit der Verlegung der Bahntrasse ins Hinterland an der
italienischen Riviera endlich zweigleisig gefahren werden kann, stellt
Trenitalia sukzessive den internationalen Verkehr entlang der Küste ein. Das verstehe, wer will.