Die Lieder
sind wahrlich keine Ohrwürmer, die Sänger blass, das Interesse mau und an
den Sieger erinnert sich ein Jahr später kein Mensch mehr. Dennoch: Das
Schlagerfestival von Sanremo ist einfach nicht tot zu kriegen. Die Bühne des Ariston
ist vom 16. bis 20. Februar wieder Schauplatz des Mega-Events,
das die RAI live
in alle Haushalte des Landes bringt.
Einige der
Kandidaten der Ausgabe 2010 sind gerade irgendwelchen Talentshows entsprungen,
andere, wie Nino d`Angelo, sind
"sempreverde" des Geschäfts. Er singt auf neapolitanisch gegen die Camorra an:
„Jammo ja" ist der einzige Beitrag in einem lokalen Dialekt, ein viel diskutiertes
Novum bei der Jubiläumsausgabe des Festivals.
Ein gedankenschweres Thema auch bei
Povia, der im letzten Jahr mit „Luca era gay" Italiens Schwule verärgerte. 2010 geht der Vorjahres-Zweite mit „Eluana" ins Rennen, ein Lied zum Thema Eutanasie.
Ein paar Aufreger müssen im Vorfeld scheinbar sein. Dass der Sänger Morgan dieser Tage gestand, mit Crack seine Depressionen zu bekämpfen, ist einer davon. Jetzt darf er in Sanremo nicht antreten. Künftig sollen sich alle Teilnehmer des Schlagerfestivals einem Doping-Test unterziehen, ein Vorschlag der Parlamentarischen Jugend-Kommission: "Anche la canzone italiana deve essere pulita".
Frankreichs First Lady Carla Bruni sagte ihren Auftritt beim Festival kurzfristig ab, weil sich Simone Cristicchi in seinem Wettbewerbsbeitrag "Meno male" über das Paar im Élysée-Palast lustig macht.
Ein veritabler Fürst verleiht dafür der 60. Ausgabe des Schlagerwettbewerbs etwas Glamour: Emanuele Filiberto aus dem Hause Savoyen, Hansdampf in allen Gassen, geht zusammen mit
Pupo und dem Tenor Luca Canonici mit dem patriotischen Schmachtfetzen „Italia
amore mio" ins Rennen.
Neben den 16
Wettbewerbern im Hauptfeld bekommen noch zwölf Sängerinnen und Sänger der Nuova Generazione
ihre Chance. Die Wahl des Siegers ist langwierig und umständlich und zieht sich über Tage hin. Top-Show-Acts von Robbie Williams (17.2.), Tokyo Hotel (19.2.) und Michael Jacksons Tanztruppe (20.2.) sollen das Publikum bis zum Finale bei der Stange halten. Die Königin von Jordanien wird an einem der Abende co-moderieren, Jennifer Lopez an einem anderen. JLo muss Quartier in Montecarlo nehmen. Das Royal, Sanremos einziges 5-Sterne-Hotel, ist ausgebucht, wie überhaupt jede Badewanne in und um Sanremo in diesen Tagen vermietet ist.
Die heißeste Nummer wird wohl Italiens Liebling Lorella Cuccarini auf die Bühne bringen, quasi nackt, nur verdeckt von einer weißen Gitarre. "Fever" heißt bezeichnenderweise ihr Titel.