PALMEN Was wäre Ligurien ohne sie?
Der Rote
Palmenrüssler lehrt die Tourismusmanager an der ligurischen Küste das
Fürchten. Gegen das Kerbtier scheint kein Kraut gewachsen und es frisst sich -
aus Frankreich kommend - stetig Richtung Italien, eine Spur der
Verwüstung hinterlassend. Die Riviera ohne Palmen? Nicht auszudenken.
Dabei
sind die Pflanzen, die heute das Bild der Küstenstädte prägen, erst seit der
Mitte des 19. Jahrhunderts hier angesiedelt. Ihre Urahnen stammen größtenteils
aus Nordafrika. Auch Agaven, Orangen, Magnolien und die heute allerorten in
Ligurien wie Unkraut wuchernden Opuntienkakteen wurden dereinst importiert und
haben die heimische Flora zum Teil sogar verdrängt. Selbst die Mimosen, Sinnbild des
ligurischen Frühlings, haben einen Migrationshintergrund. Nur Oliven,
Zypressen, einige Pinienarten, Cylamen und der Wein dürfen für sich in Anspruch
nehmen, „Urgewächse" der Region zu sein.
Am weitesten ist in Ligurien die Kanarische Dattelpalme verbreitet, zu erkennen an ihrem dicken, gedrungenen Stamm. Sie wird bis zu 15 Meter hoch. Das Höhenwachstum setzt allerdings erst ein, wenn der Stamm an der Basis seinen vollen Umfang erreicht hat. Eine Dattelpalme braucht also zunächst acht bis zehn Meter Platz für ihre Krone - und einen Gärtner mit viel Geduld. Die abgestorbenen Palmwedel hinterlassen am Stamm verholzte Spieße, die in einer jährlichen Schönheitsoperation abgehauen werden. Erst diese Aktion erzeugt das charakteristische Ananasmuster des Stammes. Datteln wird man an der Riviera freilich nie ernten können. Phoenix canariensis reagiert empfindlich auf Luftfeuchtigkeit, ja sogar Wolken, und bringt ihre Früchte deshalb nicht zur Reife.
Es gibt unzählige weitere Arten von Palmen und kaum eine, die man nicht versucht hat, an der Riviera anzusiedeln. Überhaupt möglich machte diese botanische Experimentierfreudigkeit das verlässlich milde Klima an der ligurischen Küste. Das heutige Erscheinungsbild
speziell der Blumenriviera verdanken wir dem deutschen Agronom und Landschaftsgestalter Ludwig Winter. In den 60er-Jahren Die Familie der Palmen ist bis Südfrankreich verbreitet, im Schweizerischen Tessin kommt die einigermaßen kälteresistente Hanfpalme inzwischen sogar wild vor. Mit dem Klimawandel könnte sich die Verbreitungsgrenze noch weiter nach Norden verschieben. |