„Ficki, ficki", der Ruf des Schürzenjägers Giovanni unter
ihrem Fenster ließ vor Jahren zwei Urlauberinnen hinter den dicken Mauern ihres
Dorfhauses in Isolalunga erstarren. „Du gehst mir da nicht raus", entschied die
eine resolut. Nach ein paar Stunden riskierten sie schließlich einen Blick nach
unten,
ob die Luft rein sei. Da stand ein Korb voller Feigen vor der Tür, ein
Geschenk von Giovanni an die unerreichbaren Angebeteten. Seither wissen die
beiden, was Feigen auf Italienisch heißt und wie man es schreibt, nämlich
„ficchi". Klingt nur so ähnlich.
Das Italienische steckt voller solcher Fallstricke. Und wenn man denkt, diesmal liegt man richtig, ist doch wieder alles anders. So ist in der
Regel der Obstbaum männlich und die Frucht weiblich: "il melo"
ist der Apfelbaum, "la mela" der Apfel. Fieserweise ist bei der Feige
sowohl der Baum als auch die Frucht männlich. „Una fica" ist also
mitnichten eine Feige, sondern - umgangssprachlich - das weibliche
Geschlechtsteil.
Peinlich kann es auch werden, wenn man nur so ungefähr weiß,
was „Knie" auf Italienisch heißt, sich aber trotzdem traut, den hinkenden
Nachbarn Giuseppe danach zu fragen. Seinen „gnocchi" ginge es
prächtig, so die Antwort, aber das Knie mache ihm weiterhin zu schaffen.
Seither geht immer ein Lächeln über Guiseppes Gesicht, wenn er die
Fragestellerin trifft, die mit dem Wort „ginocchio" heute sehr vorsichtig
umgeht.
„Seno di pollo" stand auf dem Einkaufszettel. Zum Glück
haben wir im Auto noch mal im Wörterbuch nachgeschaut: Hühnerbusen???? „Petto"
muss es heißen, wenn man Brust will.
Fettnäpfe stehen beim italienischen Sprachgebrauch fast überall herum und warten nur darauf,
das jemand hineintappt. So begrüßte ein deutscher Gastredner bei der Eröffnung
des Musikfestivals in Cervo die Versammelten mit „stimati cervi", „verehrte
Hirsche". Die Einwohner von Cervo selbst ziehen es vor, „cervesi" genannt zu
werden.
Ein a, e, i oder u an der falschen Stelle kann
unvorhergesehene und manchmal eben richtig peinliche Bedeutungswechsel mit sich
bringen. Rund 500 der gängisten Stolpersteine hat Gabriella Caiazza in ihrem Buch
Sprachfallen, Italienisch: Mit Abschlusstest zusammengetragen.
Zum Glück sehen die Italiener - anders als viele Franzosen - meist großzügig über
Unzulänglichkeiten im Umgang mit ihrer Sprache hinweg.
Ach ja, noch ein Tipp für Häuslebauer: „tetto" ist das Dach,
„tette" sind die Titten.